Forderungen Teil II: Arbeit

Wie angekündigt, stellen wir in diesen Wochen unsere Forderungen für eine Wachstumswende vor. Teil 2: Arbeit neu denken.

Arbeitszeitreduzierung und mehr Zeit für Sorgearbeit und Engagement

Seit einigen Jahrzehnten werden Produktivitätszuwächse weder in reale Lohnzuwächse noch in eine Verkürzung der Arbeitszeit umgesetzt. Um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern, muss daher auf stetes Produktionswachstum gesetzt werden. Reale Bedürfnisse sind in diesem Prozess schon lange unwesentlich. Um dieser Spirale zu entkommen, fordern wir eine Verkürzung der Regelarbeitszeit auf 30 Wochenstunden. Mit der Arbeitszeitverkürzung muss eine Umverteilung von Arbeit einhergehen. Zudem stünde der Einzelnen mehr Zeit für ehrenamtliches, kulturelles und politisches Engagement zur Verfügung. Das ist für eine starke Demokratie unerlässlich. Außerdem würde eine Arbeitszeitverkürzung und -umverteilung eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit, die überwiegend von Frauen getragen wird, unterstützen.
Das Land Bremen kann mit gutem Beispiel vorangehen, indem allen Mitarbeitenden im Öffentlichen Dienst eine Arbeitszeitverkürzung angeboten wird, um mehr Zeit für Engagement und Sorgearbeit nutzbar zu machen.

Forderungen Teil I: Verkehrswende

Wie angekündigt, stellen wir in diesen Wochen unsere Forderungen für eine Wachstumswende vor. Teil 1: Verkehrswende voranbringen.

Freiräume statt Parkräume – Ausbau des Umweltverbundes

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CC-BY-2.0 Tony Webster via Wikimedia

Gemeinsam mit dem Bremer Verkehrswendebündnis fordern wir eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung. Mit den Erlösen soll der entschiedene Ausbau des Umweltverbundes (Fuß, Rad, Bus und Bahn) vorangetrieben werden. Die Wachstumswende beinhaltet eine Stadt, die für alle Menschen offen und sicher ist, die gemeinsam und gleichberechtigt gestaltet wird. Dazu gehört, dass öffentlicher Raum gemeinsam genutzt wird. Dass kostenfreies Parken als Anrecht begriffen wird, steht dem fundamental entgegen. Wir wollen weniger Verkehr – und mehr Mobilität! Die Wachstumswende zielt auf eine demokratische, sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Gesellschaft ab. Durch die Verkehrswende wird das Klima geschützt, die Zahl Verletzter, Erkrankter und Todesopfer durch Luftverschmutzung und Unfälle reduziert, der öffentliche Raum belebt und für alle Menschen sicherer gemacht. So entsteht Raum für ein neues Miteinander.

Unsere Forderungen für die Wachstumswende

In der politischen Debatte im Vorwahlkampf, in der Diskussion um die Attraktivität unserer Stadt, in der Arbeit der Zukunftskommission scheint eines gesetzt zu sein: Die Wirtschaft muss wachsen!

Doch dieser Glaubenssatz, der seit Jahrzehnten die Wirtschaftspolitik bestimmt, bleibt nicht länger unhinterfragt. Die Folgen des unbegrenzten Wachstums in den reichen Ländern – skandalöse globale Ungleichheit, Klimakatastrophe, Ökonomisierung aller Lebensbereiche – sind längst unübersehbar. Die alten Versprechen von Vollbeschäftigung und wachsendem Wohlstand für alle werden nicht erfüllt. Das blinde Vertrauen ins Wachstum bröckelt; kaum jemand glaubt noch, dass “Immer mehr” sinnvolles und alleiniges Ziel des Wirtschaftens sein darf.

Es ist an der Zeit, uns über eine Wachstumswende Gedanken zu machen: eine Neuorientierung von Politik und Wirtschaft ist notwendig. Nicht mehr Wachstum, sondern die Orientierung an einem Guten Leben für Alle – demokratisch gestaltet, global gerecht und ökologisch verantwortlich – muss Ziel des Wirtschaftens sein.

Ein “Weiter so” kommt vor dem Hintergrund von Demokratie-, Ungleichheits-, und ökologischen Krisen nicht in Betracht. Einfache Antworten auf die Frage nach dem Guten Leben kann es zugleich auch nicht geben. Also möchten wir eine Debatte darüber anstoßen, wie dieses Gute Leben für alle, jenseits des Wachstums, aussehen kann. Und zwar ganz konkret in Bremen.

Das Aktionsbündnis Wachstumswende Bremen, getragen von über 20 zivilgesellschaftlichen Organisationen, ist in den letzten zwei Jahren mit hunderten Menschen zu dieser Frage ins Gespräch gekommen. Am 20.06.2018 haben wir erneut vor der Bürgerschaft den Ideen der Bremerinnen und Bremer für eine Wachstumswende zugehört und uns am Abend mit Abgeordneten der Bürgerschaft über die Ergebnisse ausgetauscht. Als Anregung – nicht als Patentrezept – haben wir drei provokante aber machbare Forderungen formuliert um zu skizzieren, wie wir uns Aspekte der Wachstumswende in Bremen vorstellen.

Auf unserem Blog stellen wir in den nächsten drei Wochen unsere Forderungen vor – und freuen uns, darüber ins Gespräch zu kommen!

Auf zum Guten Leben!

Einladung: Radtour zu Orten des Guten Lebens

Das Klima spielt verrückt, die Demokratie ist bedroht und ein Leben, das nicht auf Kosten anderer geht, ist im Alltag oft nur schwer umzusetzen. Manchmal scheint es, als würde die Situation schlimmer und schlimmer. Und der Ausweg soll Wirtschaftswachstum sein?

Das Aktionsbündnis Wachstumswende Bremen findet: Ein Gutes Leben für Alle ist ein besseres Ziel als „immer mehr”! In Bremen geht schon eine ganze Menge, was gelebte Alternativen angeht. Viele Menschen beginnen bereits, gerechte, wohltuende und ökologisch nachhaltige Alternativen zu leben. Wir laden euch ein, mit dem wohl besten Fahrzeug der Welt – dem Fahrrad – einige der kleinen Utopien zu entdecken, die uns Mut machen, und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, die dahinter stehen. Gemeinsam machen wir uns auf zum Guten Leben.

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Straßenbahnfahrt großer Erfolg

Ende April tourte eine vollbesetzte Straßenbahn quer durch Bremen um eine Vielzahl von Projekten zu besuchen, die für ein anderes Wirtschaften, Arbeiten und Wohnen stehen. Das evangelische Bildungswerk und das Aktionsbündnis Wachstumswende Bremen hatten zum Straßenbahnseminar auf dem Weg zu Orten des Guten Lebens eingeladen. Die begeisterte Stimmung der Teilnehmenden wird in der Berichterstattung im Weserkurier gut getroffen.

Foto: Annette Wagner

 

Wachstumswende beim Via Campesina-Tag

Am Dienstag, den 17.04.2018, fand auf dem Bremer Ziegenmarkt zum wiederholten Male der Via Campesina-Aktionstag statt. La Via Campesina (“der bäuerliche Weg”) ist eine internationale bäuerliche Bewegung. Diese entstand 1993 aus Protesten gegen die Welthandelsorganisation und gegen die Liberalisierung des Weltmarktes. Das Via Campesina Netzwerk besteht 2018 aus 182 Organisationen in 81 Ländern. La Via Campesina vereinigt die Kämpfe von mehr als 200 Millionen Kleinbäuer*innen, Landarbeiter*innen, Landlosen und Indigen*as. In Deutschland gehört die ‚Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft’ (AbL) dazu.

Foto: Ingo Take

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Jetzt anmelden: Straßenbahn zum Guten Leben

Donnerstag, 26.04.18, 17-20 Uhr

Das Aktionsbündnis Wachstumswende Bremen lädt in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk zu einer Straßenbahnfahrt zu Orten des Guten Lebens in Bremen ein. Unterwegs in einer historischen Straßenbahn entdecken wir Orte an denen alternative Formen des Arbeitens und Wirtschaftens gelebt werden und begegnen Menschen, die sich in Bremen aktiv für ein Guten Leben für Alle engagieren. Donnerstag, 26.04.18, 17-20 Uhr, Treffpunkt: Kiosk beim BSAG-Depot Gröpelingen. Eine Anmeldung beim Evangelischen Bildungswerk ist erforderlich.

Flyer: Joachim Heier

Bremer Verkehrswende-Bündnis

Dieser Artikel ist zuerst auf www.bremenize.com erschienen.

Ein Meilenstein für die beteiligten Verbände! Ein Meilenstein für Bremen!Zum ersten Mal tun sich BUND, ADFC, VCD und FUSS e.V. zusammen, und die Verbände stellen konkrete Forderungen für die Verkehrswende: Sie wollen des Auto-Tsunamis Herr werden und fordern eine konsequente, flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Bremen. Denn wir brauchen mehr Platz für das eigentliche Leben in der Stadt, für die Lebensqualität von uns allen. Und es bedarf natürlich intelligenter Konzepte, um solch einen Plan für alle attraktiv zu machen: Ein Masterplan „Parkraumbewirtschaftung“ muss her.

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Idee der Woche: (Viel) Weniger Arbeiten

In den vergangenen Monaten hat die Gewerkschaft IG Metall für einige Aufregung gesorgt, indem sie nicht nur mehr Lohn, sondern auch eine kürzere Arbeitszeit forderte. Arbeitgebervertreter sahen das Ende der Welt (oder zumindest des Kapitalismus) nahen. Tatsächlich war die Forderung – nach einem Recht auf eine zeitlich begrenzte Arbeitszeitreduzierung auf 28 Stunden unter bestimmten Bedingungen und ohne Lohnausgleich – gemäßigt bis brav. Vergessen scheint, dass bis vor wenigen Jahren die Reduzierung der Wochenarbeitszeit mehr als ein Jahrhundert lang eine der Kernforderungen der Gewerkschaften war.

Mittlerweile auch wieder: Wir für weniger! Copyright: CC BY-SA 2.0 Die Linke NRW via Flickr.

Idee der Woche: (Viel) Weniger Arbeiten weiterlesen